Behandlungsstrukturen

In der internationalen Literatur werden drei verschiedene Modelle zur Behandlung von Komorbidität beschrieben:

  1. Aufeinanderfolgende Behandlung. Psychiatrische Störungen und Substanzstörungen werden nacheinander behandelt, und zwischen den Behandlungsdiensten findet wenig Kommunikation statt. Patienten werden in der Regel zunächst wegen ihres Hauptproblems behandelt und anschließend aufgrund anderer Probleme. Dies kann allerdings auch dazu führen, dass die Patienten zwischen den Diensten hin- und hergeschoben werden und keine Einrichtung in der Lage ist, auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

  2. Parallele Behandlung. Die Behandlung der beiden unterschiedlichen Störungen erfolgt gleichzeitig und in Zusammenarbeit von Drogenhilfsdiensten und psychiatrischen Diensten. Der Therapieansatz ist bei beiden Behandlungsformen oft unterschiedlich, und das medizinische Modell der Psychiatrie kann in Widerspruch zur psychosozialen Ausrichtung der Drogendienste stehen.

  3. Integrierte Behandlung. Die Behandlung erfolgt in einem psychiatrischen Dienst, in einem Drogenhilfsdienst oder im Rahmen eines Komorbiditätsprogramms oder -dienstes. Die Patienten werden nach Möglichkeit nicht an andere Dienste überwiesen. Die Behandlungen umfassen Motivations- und Verhaltensmaßnahmen, Rückfallvermeidung, Pharmakotherapie und soziale Ansätze (Abdulrahim, 2001).

Wie aus den Nationalen Berichten hervorgeht, lässt sich die Behandlung von Komorbidität in der EU in der Praxis jedoch nicht immer so leicht in diese drei Gruppen unterteilen. Die integrierte Behandlung gilt als das optimale Modell, doch ist dieser Standard nur schwer zu erreichen. In der Regel wird die relevante Forschung außerhalb Europas betrieben. Im Rahmen des australischen Komorbiditätsprojekts (Commonwealth Department for Health and Ageing, 2003) wurde anhand einer Literaturauswertung festgestellt, dass Ansätze im Management und in der Betreuung von Komorbiditätsklienten nicht systematisch genug untersucht oder gründlich genug evaluiert wurden. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass es unter anderem aufgrund ihres unregelmäßigen Lebensstils schwierig ist, Personen zu untersuchen, die gleichzeitig an psychischen Krankheiten und Störungen infolge von Substanzmissbrauch leiden. Eine weitere Untersuchung ergab, dass die integrierte Behandlung für Personen mit Doppeldiagnose erfolgversprechend ist, sowohl in Bezug auf die psychischen Krankheiten als auch auf den Substanzmissbrauch (Drake et al., 1998). Lediglich in einer Studie wurden integrierte und parallele Ansätze miteinander verglichen, jedoch kein bedeutender Unterschied festgestellt. In keiner Studie wurde ein Vergleich zwischen integrierten und aufeinanderfolgenden Behandlungsansätzen angestellt.