Hepatitis B und C sowie andere Infektionen


Abbildung 15 Prävalenz der Hepatitis-C-Infektion unter injizierenden Drogenkonsumenten – Untersuchungen mit nationaler und lokaler Erfassung, 2001–2002

Abbildung 15

Anmerkungen:

Schwarzes Quadrat = Stichproben mit nationaler Erfassung; blaues Rechteck = Stichproben mit lokaler/regionaler Erfassung

Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind aufgrund der verschiedenen Milieus und/oder Erhebungsmethoden mit Vorsicht zu interpretieren; die nationalen Strategien der Stichprobenerhebung können voneinander abweichen.

In den Daten für Portugal und Italien werden nicht injizierende Drogenkonsumenten berücksichtigt; dies führt eventuell zu einer Unterschätzung der Prävalenz bei injizierenden Drogenkonsumenten (Anteil der nicht injizierenden Drogenkonsumenten in den Stichproben: Italien 5–10%, Portugal nicht bekannt). Für die Tschechische Republik ist dies bei einigen der Stichproben der Fall.

Die Daten für England und Wales und Teile der Daten für Finnland beruhen auf Speicheltests, durch die die Prävalenz unterschätzt wird.

Die Daten für Belgien, Italien, Ungarn, Portugal, Slowenien und die Slowakei beschränken sich auf die Hepatitis-C-Prävalenz unter injizierenden Drogenkonsumenten in Behandlung und sind deshalb nicht repräsentativ für die Hepatitis-C-Prävalenz bei injizierenden Drogenkonsumenten, die sich nicht in Behandlung befinden.

Quelle: Nationale Reitox-Knotenpunkte. Primärquellen, Einzelheiten zu den Studien sowie Daten vor 2001 sind der Tabelle 11: Infektionskrankheiten im Statistical Bulletin 2004 zu entnehmen.

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Die Prävalenz von Antikörpern gegen das Hepatitis-B-Virus (HBV) (6 bis 85 %) und gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) (17 bis 95 %) unter injizierenden Drogenkonsumenten ist EU-weit im Allgemeinen außerordentlich hoch, was auf die dringende Notwendigkeit von Behandlung und Prävention hinweist (Abbildung 15). In einigen der Länder (vor allem in einigen neuen EU-Ländern: Ungarn, Slowenien, Slowakei), die eine niedrige HIV-Prävalenz aufweisen, ist auch die HCV-Prävalenzrate geringer (25 bis 33 %). Dies bedeutet, dass risikoreiche Verhaltensweisen in diesen Ländern vermutlich noch nicht weit verbreitet sind. Daher kann die Ausbreitung dieser Krankheiten möglicherweise noch mit Hilfe von Maßnahmen zur Schadensminimierung verhindert werden (siehe unten).

Injizierender Drogenkonsum kann ein Übertragungsweg für eine Reihe anderer Infektionskrankheiten sein; zum Beispiel kam es in den letzten Jahren im Vereinigten Königreich zu einem Ausbruch von Tetanus und Wundbotulismus im Zusammenhang mit injizierendem Drogenkonsum, was vermutlich auf verunreinigtes Heroin und/oder spezielle Injektionspraktiken zurückzuführen ist (Hope et al., 2004). Die Prävalenz von Tuberkulose (TBC) unter injizierenden Drogenkonsumenten in der EU scheint im Allgemeinen niedrig zu sein und nicht anzusteigen, möglicherweise mit Ausnahme der baltischen Länder (Migliori und Centis, 2002). In den osteuropäischen Nachbarstaaten wird die TBC-Prävalenz immer mehr zu einem Problem aufgrund der zunehmenden Resistenz gegenüber einer Behandlung und der sehr hohen Prävalenz unter Häftlingen, von denen viele Drogenkonsumenten sind. Sexuell übertragbare Krankheiten können sowohl ein Indikator für risikoreiche sexuelle Verhaltensweisen als auch ein Risikofaktor für eine HIV-Infektion sein (Estebanez et al., 2001). Derzeit steigt die Prävalenz von sexuell übertragbaren Krankheiten in einigen EU-Ländern rapide an, vor allem unter homosexuellen Männern. In einigen Ländern sind sexuell übertragbare Krankheiten unter Drogenkonsumenten sehr verbreitet, z. B. in Irland und Italien (Giuliani und Suligoi, 2004), während dies aus anderen Ländern (z. B. Schweden und Norwegen) nicht berichtet wird. In den meisten Ländern scheinen allerdings Überwachungsdaten speziell für Drogenkonsumenten zu fehlen. Wenn Überwachungsdaten für sexuell übertragbare Krankheiten als Indikator für riskante sexuelle Verhaltensweisen unter injizierenden Drogenkonsumenten dienen sollen, um die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung beim Sexualverkehr zu beurteilen (Wiessing und Kretzschmar, 2003), müssen sie injizierende Drogenkonsumenten unterscheiden, um so die Beobachtung von Tendenzen, insbesondere unter injizierenden Drogenkonsumenten zu ermöglichen. Insgesamt ist die epidemiologische Situation von Infektionskrankheiten unter injizierenden Drogenkonsumenten bedenklich. Dies erfordert eine systematische Untersuchung von Drogenkonsumenten, sobald sie mit Gesundheitsdiensten in Kontakt kommen, sowie die Bereitstellung ausreichender Mittel für Präventions- und Behandlungsmaßnahmen.